Das Leid der Tiere

Damit Menschen tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier konsumieren k√∂nnen, leiden und sterben t√§glich Millionen von so genannten ‚ÄěNutztieren‚Äú. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 2009 56 Millionen Schweine allein in Deutschland geschlachtet (1). Landwirtschaftliche Tierhaltung hat l√§ngst nichts mit dem Bauerhofidyll zu tun, das die Verpackungen ziert. Um billig produzieren zu k√∂nnen, wurde die Ausbeutung der Tiere in speziellen Aufzucht-, Mast- und Schlachtbetrieben perfektioniert, in denen die Mitgesch√∂pfe zu Kennzahlen in einem industriellen Produktionsprozess geworden sind. F√ľr die Tiere bedeutet dies ein Martyrium, das schon mit ihrer Geburt beginnt. Viele Menschen ereifern sich √ľber eine schlechte Behandlung von Hund, Katze, Pferd oder Kaninchen, akzeptieren aber kritiklos, dass die sogenannten ‚ÄěNutztiere‚Äú wie H√ľhner, Schweine und Rinder tagt√§glich in Zuchtanlagen, Mastst√§llen und Schlachth√§usern gro√ües Leid ertragen m√ľssen. Masth√ľhner, Legehennen, Puten und Milchk√ľhe werden durch z√ľchterische Selektion zu widernat√ľrlichen H√∂chstleistungen gezwungen - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen.

Beispiel Masth√ľhnchen

Die st√§rkste Intensivierung hat in der Gefl√ľgelmast stattgefunden. Damit beispielsweise Masth√ľhner in etwa 33 Tagen ‚Äěschlachtreif‚Äú sind, hat man besonders schnell wachsende Mastlinien mit einem hohen Brustfleischanteil gez√ľchtet. Da man ihnen ihr nat√ľrliches S√§ttigungsgef√ľhl ‚Äěweggez√ľchtet‚Äú hat, haben sie nur eines im Sinn: fressen. Beine, Herz und Lunge k√∂nnen mit dem extremen Fleischzuwachs nicht mithalten. Viele Tiere leiden deswegen unter schmerzhaft verkr√ľppelten Beinen. Oft k√∂nen die Tiere nur noch unter Schmerzen humpeln und sich mitunter gar nicht mehr fortbewegen. Erreichen die Tr√§nke nicht mehr,¬† m√ľssen sie verdursten. Bis zu drei Prozent der Masth√ľhner in Europa sterben vorzeitig an Herz-Kreislaufversagen ‚Äď das entspricht etwa 12,6 Millionen Tieren pro Jahr allein in Deutschland, die noch vor dem Ende der Mast verenden (2). Mehr zum Thema Masth√ľhner lesen Sie hier.

Kastration ohne Betäubung
Schweine werden in industriell gepr√§gten Mastanlagen mit hohen Besatzdichten in m√∂glichst kurzer Zeit ‚Äěschlachtreif‚Äú gem√§stet ‚Äď ohne R√ľcksicht auf ihre nat√ľrlichen Bed√ľrfnisse. Enge, permanenter Stress und das Fehlen von Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten und Tageslicht f√ľhren zu Verhaltensanomalien bis hin zum Kannibalismus. Damit sich die Tiere unter diesen Haltungsbedingungen nicht gegenseitig verletzen und um den Ertrag nicht zu gef√§hrden, werden Schw√§nze und Z√§hne von Schweinen, H√∂rner bei Rindern sowie die Schn√§bel von Gefl√ľgeltieren routinem√§√üig ohne Bet√§ubung kupiert. Um den unbeliebten Ebergeruch zu vermeiden, d√ľrfen m√§nnliche Ferkel bis zum siebten Lebenstag ohne Schmerzausschaltung kastriert werden (3). Mehr zum Thema Schweinehaltung lesen Sie hier.


Beispiel Milchk√ľhe

Die heutige Hochleistungskuh der Rasse Holstein-Friesian wird dazu gezwungen, j√§hrlich zwischen 8000 und 11000 Liter Milch zu produzieren. Bei einer Menge von 50 Litern pro Tag vollbringt ihr Organismus die Stoffwechselleistungen eines Dauermarathons. Dieser Zwang zur H√∂chstleistung wird mit zahlreichen Erkrankungen und einem fr√ľhen Tod erkauft. Damit die Kuh st√§ndig Milch liefert, muss sie jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen. Meist schon nach zwei bis drei K√§lbern sind die "Hochleistungsk√ľhe" ausgezehrt und werden in einem jugendlichem Alter von vier bis f√ľnf Jahren geschlachtet. Dabei k√∂nnte eine Kuh gut 20 Jahre und √§lter werden. Die K√§lber werden direkt nach der Geburt von der Mutterkuh getrennt ‚Äď eine Praxis, die f√ľr Mutterkuh und Kalb traumatisch ist. Die weiblichen K√§lber werden meist als zuk√ľnftige "Milchk√ľhe" aufgezogen. Die m√§nnlichen Tiere gelangen in die intensive Jungbullenmast, werden an Mastbetriebe in ganz Europa verkauft und dann nach etwa 5 bis 6 Monaten get√∂tet. Ihr Fleisch ist quasi ein "Nebenprodukt" der Milcherzeugung. Diese Zusammenh√§nge erkl√§ren, warum der Konsum von Milch- und Michprodukten die Ausbeutung und T√∂tung von "Milchk√ľhen" und ihren K√§lber bedingt. Mehr zum Thema Milchk√ľhe lesen Sie hier.

Beispiel Legehennen
In Deutschland werden 32,7 Millionen Legehennen gehalten, 70 Prozent davon in Legebatterien. Zwar sind seit 2009 die sogenannten ¬Ľausgestalteten¬ę K√§fige vorgeschrieben, doch auch bei diesen handelt es sich um K√§fighaltung, die den Anspr√ľchen der Tiere nicht gerecht wird. Die H√ľhner leiden unter gro√üen Einschr√§nkungen bei der Fortbewegung, bei der Nahrungsaufnahme, beim Sozialverhalten, bei der Eiablage, der K√∂rperpflege und beim Ruheverhalten. Viele f√ľr die herk√∂mmliche Legebatterie typischen Verhaltensst√∂rungen, Verletzungsgefahren und Krankheiten sind auch hier vorprogrammiert. Nimmt die Legeleistung nach ca. 15 bis 18 Monaten ab, werden die ausgemergelten H√ľhner geschlachtet. Da ihnen das st√§ndige Eierlegen, das Kalzium aus den Knochen entzieht, leiden sie unter Knochenerweichung und -verformung. Beim Abtransport zum Schlachthof kommt es h√§ufig zu Knochenbr√ľchen. Mehr zum Thema Legehennen lesen Sie hier.


40 Mio. m√§nnliche Eintagsk√ľken werden j√§hrlich get√∂tet
Noch schlimmer ergeht es den K√ľken. Da bei der Nachzucht der Legehennen die m√§nnlichen K√ľken aus √∂konomischer Sicht wertlos sind, werden allj√§hrlich allein in Deutschland ca. 40 Mio. m√§nnliche Eintagsk√ľken aussortiert und get√∂tet (4). Die T√∂tung der Eintagsk√ľken erfolgt nach der Tierschutz-Schlachtverordnung durch Vergasen mit Kohlendioxid oder durch Zerst√ľckeln in einem Homogenisator, dem sogenannten ‚ÄěH√§hnchenmuser‚Äú(5) .


Dies sind nur Beispiele f√ľr das Leiden, das Tiere w√§hrend Zucht und Haltung ertragen m√ľssen. Hinzu kommen Transport und Schlachtung. Oft m√ľssen die Tiere unter erheblichen Belastungen √ľber lange Strecken transportiert werden. Den t√§glichen Horror, den die intelligenten Tiere auf den hochmodernen im Akkord-arbeitenden Schlachtfabriken erdulden m√ľssen, ist schwer vorstellbar. Hohe Fehlbet√§ubungsraten bei Bolzenschuss und Elektrovorrichtungen sowie Erstickungsangst bei der Bet√§ubung mit Kohlendioxid sind an der Tagesordnung. Dabei kann es vorkommen, dass Tiere nur unzureichend bet√§ubt werden. Dies f√ľhrt dazu, dass sie den T√∂tungsschnitt und die anschlie√üenden Stationen im Schlachtvorgang wie z.B. das Abbr√ľhen in hei√üem Wasser oder das Rupfen bewusst miterleben.

Ist Bio die Lösung?
Tiere, die in Biobetrieben gehalten werden, werden zwar weniger extrem ausgebeutet als ihre Verwandten in der industrialisierten Landwirtschaft, dennoch ist dies nur das kleinere √úbel. Denn auch hier sind die Tiere "Nutztiere", die zu einem bestimmten Zweck gehalten werden. Alle Tiere aus der "Biomast" landen letztendlich auf einem konventionellen Schlachthof. Auch ausgezehrte "Milchk√ľhe" und "Legehennen" werden get√∂tet, wenn ihre Leistungen nachlassen. Dar√ľberhinaus sind die Haltungsbedingungen in der biologischen Landwirtschaft¬† aus Sicht des Tierschutzes teilweise inakzeptabel.

Quellen:
(1) Statistisches Bundesamt, Presseportal (12.02.2010): http://www.presseportal.de/pm/32102/1560436/statistisches_bundesamt

(2) SCAHAW: Scientific Committee for Animal Health and Animal Welfare: The Welfare of Chickens kept for Meat Production (Broilers), European Commission, Health and Consumer Protection Directorate-General 2000. Nr. 6.5.2.SCAHAW: Scientific Committee for Animal Health and Animal Welfare: The Welfare of Chickens kept for Meat Production (Broilers), European Commission, Health and Consumer Protection Directorate-General 2000. Nr. 6.5.2.

(3) Nach dem deutschen Tierschutzgesetz (2006) sowie der EU-Richtlinie 2001/793/EC ist die Kastration von männlichen Ferkeln durch den Landwirt bis zum siebten Lebenstag ohne Schmerzausschaltung erlaubt.

(4) Martin, M. (2008) Jahresbericht der Landesbeauftragten f√ľr Tierschutz in Hessen. 24 S., Hessisches Ministerium f√ľr Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden.

(5) Laut Tierschutz-Schlachtverordnung (TierSchlV) ist die T√∂tung wie folgt geregelt: "Kohlenmonoxidexposition - Tiere d√ľrfen dem Kohlenmonoxid nur in einer einsehbaren Kammer mit einer Gaskonzentration von mindestens 1 Volumenprozent aus einer Quelle von hundertprozentigem Kohlenmonoxid ausgesetzt werden. Sie m√ľssen einzeln und frei beweglich in diese Kammer eingebracht werden und dort bis zum Eintritt ihres Todes verbleiben. Vor dem Einbringen der Tiere mu√ü die Gaskonzentration √ľber-pr√ľft werden."
Anwendung eines Homogenisators : Die Leistung des Apparates mit schnell rotierenden, mechanisch angetriebenen Messern muss so bemessen sein und Eintagsk√ľken sowie Brutr√ľckst√§nde sind dem Apparat so zuzuf√ľhren, dass jedes zugef√ľhrte Tier sofort get√∂tet wird.