Fleischkonsum und Hunger

Ein Großteil der weltweiten Getreide- und Sojaernte wird zu Viehfutter verarbeitet. Laut der FAO-Studie „Der lange Schatten der Tierzucht“ werden rund 30 Prozent des eisfreien Landes direkt oder indirekt für die Viehzucht genutzt (1). Eine extreme Verschwendung von Nahrungsmitteln, denn bei der Umwandlung von pflanzlicher Nahrung in Produkte vom Tier geht ein Großteil des Energiegehaltes verloren, die so genannten Veredelungsverluste. Je nach Tierart und Futter werden bis zu 16 Kilo Getreide zur Herstellung eines einzigen Kilogramms Fleisch benötigt (2). Nur etwa 10 Prozent des verfütterten Getreides wird dabei in Fleischmasse umgewandelt, die restlichen 90 Prozent Nahrungskalorien gehen verloren (3). Indem wir Soja und Getreide aus den Erzeugerländern importieren und an unsere „Nutztiere“ verfüttern, entziehen wir den armen Ländern ihre Lebensgrundlage. Dabei müsste kein Mensch hungern. Rein rechnerisch würden die heutigen Produktionskapazitäten für die Ernährung von neun Milliarden Menschen ausreichen (4).

Globale Ernährungskrise vorprogrammiert
Die Viehzucht ist der größte Landnutzer der Erde. Um Land für Weideflächen und Futtermittelanbau zu gewinnen, wird wertvoller Urwald gerodet. Nach de FAO-Studie wurden über 90 Prozent des Amazonas seit 1970 für die Neuschaffung von Weideland gerodet. Mit dem Urwald wird nicht nur ein wichtiger Kohlenstoffspeicher zerstört, mit ihm gehen auch seltene Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Und Besserung ist nicht in Sicht. Wenn die Prognose der FAO zutrifft, wird sich die globale Fleischproduktion bis 2050 noch einmal auf 465 Millionen Tonnen verdoppeln. Dann werden die Tiere so viel pflanzliche Nahrung verbrauchen wie vier Milliarden Menschen. Doch um diese zu produzieren, steht nicht genug Land und Süßwasser zur Verfügung. Eine globale Ernährungskrise ist vorprogrammiert. Im Forschungsreport der Bundesregierung fordern Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts nicht umsonst, die Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel aus pflanzlichen Rohstoffen zu prüfen (5) .

Quellen:
(1) Livestock's Long Shadow – Environmental Issues and Options (en), FAO 2006, Rom, 112 S.

(2) Gold, M., Porritt, J. (2004) The Global Benefits of Eating Less Meat, 23 S.

(3) Wettlauf um Nahrung und Ackerflächen. Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Getreideproduktion (2010). www.welthungerhilfe.de/nahrung-ackerflaechen.html

(4) Die Zukunft der Nahrung. Was wir morgen essen (2009). http://www.sueddeutsche.de/wissen/24/462638/text/

(5) Flachowsky, G., Dänicke, S., Lebzien. P., Meyer, U. (2008) ForschungsReport 2008/02. Schwerpunkt: Globale Ernährungssicherung. 17 S. Senat der Bundesforschungsinstitute, Braunschweig.